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Wir messen nicht die Liebe

David Olson

Wie Ehetests es vermeiden, dem Schicksal ins Handwerk zu pfuschen.
Ein Gespräch mit dem Erfinder

Professor David Olson, ist Familien- und Sozialwissenschaftler an der Universität von Minnesota und Hauptentwickler von PREPARE

Das Interview

Herr Professor Olson, der von Ihnen entwickelte Prepare-Test misst die Übereinstimmung zwischen den Brautleuten. Muss ein Paar etwa eine Mindestpunktzahl erreichen, um eine einigermaßen glückliche Ehe zu führen?

Es gibt keinen fixen Wert für alle Paare. Wir beobachten verschiedene Typen von vorehelichen Paaren. Es gibt zum Beispiel die vitalen Paare: Die können gut miteinander diskutieren und über Gefühle reden, ihnen ist Gleichberechtigung in der Partnerschaft sehr wichtig, sie haben viel Übereinstimmung.

Bedeutet das, dass alles wunderbar laufen wird?

Eine hohe positive Übereinstimmung von mindestens 80 Prozent heißt nur, dass das Paar ein geringeres Scheidungsrisiko hat. Auch diese Paare werden natürlich Probleme bekommen, aber sie haben gleichzeitig bessere Ressourcen, sie zu bewältigen. Dann gibt es noch die traditionellen Paare. Sie sind schon vor der Heirat nicht mit allen Gewohnheiten ihres Partners zufrieden. Sie reden ungern über Gefühle und können mit Konflikten nicht gut umgehen. Aber sie haben auch Stärken: Sie haben realistische Erwartungen an die Ehe, sie können gut Entscheidungen treffen und für die Zukunft planen.

Das kann also trotzdem eine zufriedene Ehe werden?

Ja, es kann. Das höchste Scheidungsrisiko haben die angespannten, konfliktbeladenen Paare, denn sie stimmen schon heute in vielen Fragen nicht überein. Manche haben nur eine Übereinstimmung von 30 Prozent.

Was sagen Sie denen nach dem Test?

Einem Konfliktpaar würde ich sagen: Es gibt viele Themen, über die Sie sprechen sollten. Wir brauchen also mehr Nachfolgetreffen, damit Sie lernen, mit diesen Problemen in Zukunft besser umzugehen.

Sie raten diesen Paaren also nicht von einer Heirat ab?

Nein, wir sagen ihnen so was nicht direkt. Aber im Beratungsprozess passiert es oft, dass die bestehenden Probleme nicht gelöst werden und immer neue Konfliktthemen auftauchen, so dass die Paare frustriert sind. Dann sagen viele: Vielleicht ist das doch nicht die richtige Beziehung. Aber darauf kommen sie von alleine. Zwischen zehn und 25 Prozent der Paare heiraten dann nicht.

Sie hoffen, dass der Test die Paare anhält, konstruktiv miteinander zu reden. Folgen die Partner denn wirklich alle Ihrem Rat?

Nein, leider erlernt ausgerechnet von den Konfliktpaaren nur rund die Hälfte die nötigen Kommunikations- und Problemlösefertigkeiten. Aber von den anderen sind es immerhin fast 80 Prozent.

Was halten Sie von der Ansicht, dass Gott Liebespaare zusammenfügt und dass man ihm nicht ins Handwerk pfuschen sollte?

Unser Ziel ist nicht, das Paar von der Hochzeit abzuhalten. Wir wollen ihm vielmehr helfen, eine möglichst gute Beziehung zu erreichen.

Aber ist Liebe nicht auch etwas Geheimnisvolles, das man nicht per Computer auswerten kann?

Wir messen ja nicht die Liebe. Liebe ist kein gutes Kriterium, ob eine Ehe erfolgreich wird oder nicht. Liebe allein reicht nicht. Was zur Vorhersage taugt, ist die Qualität der Beziehung: Wie gut kommunizieren die beiden, wie gut können sie Probleme lösen? Daran arbeiten wir mit ihnen.

Viele amerikanische Pfarrer haben den Test zur Pflicht gemacht, bevor sie ein Paar trauen. Was halten Sie von diesem Zwang?

Oft sind gerade die Paare, die den Test und das Training am meisten bräuchten, daran am wenigsten interessiert. Freiwillig würden sie wohl nicht teilnehmen.

Denen würde ein bisschen Druck von außen also gut tun?

Schon, doch andererseits gibt es Paare, die hoch motiviert sind, an ihrer Beziehung zu arbeiten, aber wenn sie dazu gezwungen werden, entwickeln sie große Widerstände gegen den Test und profitieren deshalb weniger davon. Die Verpflichtung hat also Vor- und Nachteile. Ich habe da sehr gemischte Gefühle.

Die Fragen stellte Christine Holch.