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Gedanken zum Sonntag

1. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 7. Juni 2026

Liebe Mitchristen!

Wie können wir als Christen und Gemeinden heute unseren Glauben überzeugend leben und andere Menschen dafür gewinnen? Zu dieser Frage möchte ich etwas ausholen und mit Ihnen ans andere Ende der Welt blicken. Im Studium habe ich ein Auslandssemester in Neuseeland verbracht. Zu einer damaligen Mitstudierenden habe ich bis heute Kontakt- brieflich oder per Mail. Janet ist inzwischen im Ruhestand und lebt in Australien in der Nähe von Melbourn, wo ihre Enkel wohnen. Dort in ihrer Straße gibt es eine Baptistengemeinde, der sie sich jetzt angeschlossen hat, so schrieb sie mir neulich. Für mich war das unerwartet, denn ich kannte Janet als Presbyterianerin- hier in Deutschland würden wir sagen: Evangelische Landeskirche.

Was hat meine alte Bekannte auf der Südhalbkugel also bewogen, sich den Baptisten anzuschließen? Auch wenn Janet Theologie studiert hat wie ich, waren es offensichtlich keine dogmatischen Fragen. Es ging ihr nicht darum, ob es richtig ist, Kinder zu taufen oder ob die Taufe erst im Erwachsenenalter erfolgen sollte, wie bei Baptisten üblich. Was Janet dazu gebracht hat, sich dieser Gemeinde anzuschließen, beschreibt sie so: „Es ist eine bemerkenswerte Gemeinde. Groß ist sie nicht. Sie betreiben einen Kleiderladen, eine Anlaufstelle für Prostituierte, ein Wohnheim für obdachlose junge Frauen, die so von der Straße geholt werden. Sie haben Wohnungen, die sie an Menschen vermieten, die sich die marktüblichen Mietpreise nicht leisten können. Sie machen Beratung für Leute, die mit der Bürokratie nicht zurechtkommen. Viele ihrer Gemeindemitglieder setzen sich für soziale Gerechtigkeit ein- für die indigene Bevölkerung, für Asylsuchende oder die Befreiung Palästinas. Eingeladen gefühlt habe ich mich durch das Regenbogen-Poster für die Rechte Homosexueller und das Schild am Fenster, das jeden willkommen heißt- alle eingeschlossen.“ So beschreibt meine alte Bekannte Janet in Australien ihre neue Gemeinde. Ganz begeistert ist sie.

Ich denke daran, wie es bei den ersten Christen war, damals an Pfingsten. Da war auch Begeisterung da- durch die feurige Pfingstpredigt des Petrus, durch die am Pfingsttag 3.000 Menschen zum Glauben gekommen sind und die erste christliche Gemeinde gebildet haben. Und auch in der darauffolgenden Zeit sind täglich neue Menschen zur Gemeinde dazugekommen, erfahren wir in der Apostelgeschichte (Apg. 2, 47). Die Apostelgeschichte liefert dafür eine Erklärung: Es waren nicht nur die Predigten der Apostel, es war auch das soziale Engagement der ersten Gemeinde, das damals so viele Menschen vom christlichen Glauben überzeugt und zur Gemeinde geführt hat. Ganz ähnlich also, wie es heute meine alte Bekannte in Australien erlebt.

Die ersten Christen haben so miteinander gelebt, dass keiner Not leiden musste. Ja, es wurden sogar Grundstücke und Häuser verkauft, und das Geld den Armen gegeben. Josef Barnabas war einer von denen, der sein Grundstück verkauft und das Geld für die Armenfürsorge zur Verfügung gestellt hat (Apg. 4-36-37). Ich denke an Dietrich Bonhoeffer, der einmal gesagt hat: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Mit diesem Ausspruch hat Bonhoeffer die Diakonie mit auf den Weg gebracht. Innere Mission- so hat man die Diakonie anfangs genannt. Eine Missionierung im Inneren, im eigenen Land sollte es sein, dieses Sich-Kümmern um die Armen, die Kranken, die Bedürftigen in unserem Land. Ja, es ist gut, dass es die Diakonie gibt. Und für viele Menschen in unserem Land, die von der Diakonie Hilfe erfahren- in Beratungsstellen, Tafelläden, Krankenhäusern und vielem mehr-  ist die Diakonie das Gesicht unserer Kirche.

Und doch bleibt ein ungutes Gefühl bei mir. Die Warteschlange vor dem Tafelladen in Trossingen wird immer länger. Die Lebensmittel, die dort zu vergünstigten Preisen ausgegeben werden, reichen bei weitem nicht mehr für alle. Oft gibt es Streit, und die Tafelladen-Mitarbeiter müssen schlichten. Und an der Autobahnraststätte steht einer vor dem großen Mülleimer und fischt dort in der Tiefe nach Pfandflaschen. In der Zeitung lese ich: Eigentlich wäre genug Geld da für eine gute Rente für alle. Aber das Geld konzentriert sich bei den Reichen, die immer reicher werden. Die 5.000 reichsten Menschen in Deutschland besitzen mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland, Tendenz steigend. In unserem Land werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Um im Alter würdig leben zu können, ist es inzwischen notwendig, eine private Rentenvorsorge aufzubauen. Für ärmere Menschen ist dies aber finanziell nicht möglich. Die Altersarmut steigt. Und wer ein Eigenheim hat und dies im Alter verkauft, damit dort eine junge Familie einziehen kann, wird in unserem Land finanziell dafür bestraft, wenn er pflegebedürftig wird.

Gut, dass es die Diakonie gibt, kann man bei alldem sagen. Aber das Wort von Bonhoeffer: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist“ meint nicht: Lass mal die Diakonie machen, die regelt das schon, die kümmert sich ja um die Bedürftigen. Nein, das Wort von Bonhoeffer meint uns alle- uns als christliche Gemeinde und uns als Christinnen und Christen in der Welt- jeder und jede einzelne von uns ist gemeint. Das bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und offen zu sein für die Not der anderen. Ja- das haben wir schon in vielen Predigten gehört, dass wir die Not der anderen sehen sollen. Aber Sehen allein genügt ja nicht, ich muss auch was tun gegen die Not der anderen. Einfach ist das sicherlich nicht. Aber einfach war das auch in der ersten Christengemeinde nicht. Auch wenn es in der Apostelgeschichte heißt: „Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele“ (Apg. 4, 32). Gleich im Anschluss an die Geschichte von Josef Barnabas, der sein Grundstück verkauft und das Geld für die Armenfürsorge zur Verfügung stellt erfahren wir, was für Probleme die Regelung, Äcker und Häuser zugunsten der Armen zu verkaufen, in der ersten Gemeinde gemacht hat. Da gab es ein Ehepaar namens Hananias und Saphira in der Gemeinde, die von dem Verkaufserlös ihres Grundstücks etwas für sich zurückbehalten hatten, und die Folgen waren fatal (Apg. 5, 1-11). Ja, Geben muss freiwillig bleiben. Wenn sich jemand dazu gezwungen fühlt und es nicht aus Überzeugung tut, dann wird es schwierig.

Und doch: Wenn die Flamme der Liebe Christi in uns weiterbrennen soll, dann kann uns unser armer Nächster nicht egal sein. Von unserem Verhältnis zu den Bedürftigen und unserem Einsatz für Gerechtigkeit hängt die Existenz unserer Gemeinden ab. Ich denke noch einmal an meine alte Bekannte Janet in Australien. Die konkrete Hilfe für Bedürftige und der Einsatz für soziale Gerechtigkeit hat sie dazu bewogen, sich der dortigen Baptistengemeinde anzuschließen. An diesem Maßstab werden wir als Kirche gemessen, nicht an dogmatischen Richtigkeiten. So wie Dietrich Bonhoeffer sagte: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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14.06.2026 Taize

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[Gedanken zu Pfingsten] Pfingstmontag

Predigt zum ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag, 25. Mai 2026

Liebe Mitchristen!

„Jeder knüpft am eignen Netz.“ So haben wir gerade miteinander gesungen. Ja- jeder ist mit seinem eigenen Leben beschäftigt. Mein Leben ist begrenzt durch den Rahmen, in dem ich lebe: Mein privates und berufliches Umfeld, die Ortschaft, die Kirchengemeinde, meine Kultur, Sprache und Nationalität. „Wir knüpfen aufeinander zu, wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen miteinander, Shalom, ein Friedensnetz.“ So heißt es weiter in dem Lied. Frieden und Verständigung zwischen den Menschen und den Völkern- das ist ein großes Vorhaben, gerade in unserer Zeit, in der mehr von militärischen Fähigkeiten die Rede ist als von der Fähigkeit zum Frieden. Aber wir sind heute hier zusammengekommen- aus unterschiedlichen Kirchengemeinden und Ortschaften, und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Heute wollen wir zusammen an diesem Friedensnetz knüpfen: Bunt gewebt, wie ein Flickenteppich darf es werden, dieses Friedensnetz. Und der Webrahmen dafür steht schon bereit. Damit das gelingen kann, das aneinander Anknüpfen und aufeinander zugehen, brauchen wir Gottes Geist. Rein aus eigener Kraft schaffen wir das nicht.

Nun ist es ja schwer zu erfassen, was Gottes Geist bewirken kann. Nehmen wir deshalb das Bild der Malerin Christel Holl zur Hand. Gerade Gemälde unterliegen der Begrenzung durch vier Seiten: oben unten, links und rechts- so wie auch unser Webrahmen hier vorne. Was darüber hinausgeht, ist abgeschnitten oder jedenfalls nicht sichtbar, aber zugleich offen für unsere Fantasie. Auch mein Leben spielt sich inmitten eines begrenzten Rahmens ab. Oben, unten, links, rechts. Leben ist begrenzt. Einerseits durch die uns gesetzte Lebenszeit, andererseits auch einfach durch die alltäglichen Abläufe, durch die gewohnten und bewährten Gedankengänge, die wir uns angewöhnt haben: Das, was ich schon immer gedacht und gemacht habe. Mein Leben wird begrenzt durch den Horizont meiner Einstellungen und Gefühle, meiner Ansichten und meines Wissens. Aber was ist mit dem, was über diesen begrenzten Rahmen hinausgeht? Blende ich es aus oder bin ich neugierig auf Neues, auf Veränderung?

Ich denke an die Jünger Jesu kurz vor der Ausgießung des Heiligen Geistes: Begrenzt durch die vier Wände des Hauses, in das sie sich zurückgezogen hatten- nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich: Verbarrikadiert, so dass sie nicht über ihre Denkgewohnheiten hinausgehen konnten. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, dass und wie es nach Ostern weitergehen sollte mit ihnen und ihren Leuten. Das ist die Ausgangslage von Pfingsten.

Vielleicht ist es das, was die Künstlerin mit dem kräftigen blauen Farbfleck in der unteren Hälfte des Bildes und den nur schemenhaft angedeuteten Personen meint. Die Personen bilden keine Einheit, sondern wirken wie ein verschreckter Haufen. Wie kann da etwas Neues ins Leben kommen? Das ist ja auch die Frage an uns heute. Gottes Geist ist es, der das Neue und die Veränderung in unser Leben bringt- gewissermaßen von außerhalb der vier Seiten des Gemäldes. Die Bibel beschreibt den Geist Gottes wie eine Taube oder wie Feuerflammen. Beide Motive finden wir auch im Bild von Christel Holl. Da ist die Taube, die von oben herunterkommt und Veränderung bewirkt: Während die Personen im unteren Drittel des Bildes noch etwas verwirrt nach links und rechts schauen, da erheben die anderen, die zur Mitte des Bildes hin stehen, ihre Arme. Sie erheben ihre Häupter und schauen auf den Geist Gottes, der von oben herabkommt.

Was für den Heiligen Geist gilt, der von oben, von Gott herkommt, gilt so aber noch lange nicht für die Kirche. Es ist jedenfalls ein gefährliches Bild für Kirchen- und Gemeindeleitungen. Sie könnten nämlich der Gefahr erliegen, es dem Geist Gottes gleich tun zu wollen und von oben nach unten durchzuregieren.

Wohl deswegen hat die Künstlerin ihr Bild „Netzwerk des Geistes“ genannt- ganz ähnlich, wie wir es im Lied vom Friedensnetz gesungen haben. Denn mit dem Begriff des „Netzwerkes“ lässt sich wunderbar beschreiben, was der Geist Gottes in dieser Welt bewirkt. Auf dem Bild ist in den herabfallenden Feuerflammen mit einigen Längs- und Querstrichen ein Netz angedeutet: Der Geist Gottes vernetzt. Das ist die Wirkung des Heiligen Geistes. Er schafft Verbindungen- der Menschen untereinander und mit Gott. Der beschränkte Horizont eines jeden wird aufgesprengt. So ist Kirche entstanden und besteht bis heute: Der Geist Gottes bindet uns ein in das große weltumspannende Netz der Christenheit ein, die jetzt Pfingsten feiert. Und der Geist Gottes verbindet uns auch mit den Christinnen und Christen, die vor uns da waren, und die an diesem Netzwerk gewebt haben über die Jahrhunderte hinweg. Jede und jeder bringt sich auf seine Weise ein und webt seinen Faden in dieses Netzwerk. Welche Gaben hat uns der Geist Gottes gegeben, die wir einbringen können? Kein Beitrag zu diesem Netzwerk ist zu gering, keine Idee zu verrückt, kein Vorhaben zu gewagt. Es kommt nur darauf an, endlich damit anzufangen und miteinander ein Friedensnetz zu knüpfen.

Das klingt ja an sich ganz einfach. Aber warum tun wir uns damit doch so schwer, im Großen wie im Kleinen? Warum fällt es uns offensichtlich leichter, im anderen den Gegner zu sehen als den Mitmenschen? Der Apostel Paulus würde jetzt sagen: Das liegt alles nur daran, weil ihr immer noch natürliche Menschen und keine geistlichen Menschen seid (1. Kor 2, 14-15). Das klingt hart, nicht wahr? Aber die Frage ist doch: Hat Paulus recht oder nicht? Paulus treibt nämlich dieselbe Frage um wie uns heute: Woran liegt es bitte schön, dass der Geist Gottes so wenig Wirkung zeigt bei den Christinnen und Christen? Also was tut der Geist Gottes denn eigentlich? Im 1. Brief an die Korinther schreibt Paulus fast beiläufig: „Wir haben den Geist empfangen, damit wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.“ (1. Kor 2, 12) Daran also hat der Geist Gottes im Verborgenen gearbeitet: Wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Der Geist hat gewissermaßen die Stelle eines Dolmetschers, eines Übersetzers von Gott zu Mensch und von Mensch zu Gott: Der Geist Gottes öffnet uns das Verständnis von Gottes Wort. Und der Geist Gottes ist es auch, der uns vor Gott mit unaussprechlichem Seufzen vertritt, wie der Apostel Paulus an anderer Stelle schreibt (Röm 8, 26). Der Geist Gottes wird von uns oft unterschätzt. Doch es ist an der Zeit, den Heiligen Geist zu bitten, zu uns zu kommen- tun wir das gemeinsam, heute an diesem Pfingstfest.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer (nach Predigtgedanken von Dr. Thomas Melzl)

 

 

 

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14.06.2026 Kirche Kunterbunt

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Gedanken zum Sonntag

Exaudi

Predigt zu Sonntag Exaudi, 17. Mai 2026

 

Liebe Mitchristen!

„Verträge müssen eingehalten werden.“ Das wusste man schon im alten Rom, woher dieses Sprichwort stammt. Eigentlich ist das ja auch selbstverständlich: Wenn ich einen Vertrag abschließe- einen Mietvertrag zum Beispiel oder einen Arbeitsvertrag- dann erwarte ich, dass sich mein Vertragspartner an die vertraglich festgelegten Vereinbarungen hält. Dasselbe erwartet mein Vertragspartner auch von mir.

Unser Predigttext spricht von einem Vertrag Gottes mit seinem Volk Israel (Jeremia 31, 31-34). Er spricht in eine Zeit, die für das Volk Israel katastrophal war. Die Oberschicht ist verschleppt worden ins ferne Babylon, und die, die zurückgeblieben sind, stehen ganz buchstäblich vor einem Trümmerhaufen. Alles liegt in Schutt und Asche. Nichts ist mehr, wie es war. Viele Menschen fragten sich damals: Hat Gott uns verlassen? Hat er uns denn ganz vergessen? Oder ist es, weil wir Gott vergessen hatten? Weil wir keinen Vertrag mehr mit ihm haben wollten. Weil uns seine Gebote nicht mehr interessiert haben, und jeder nur seinen eigenen Vorteil gesucht hat. Deswegen bestraft Gott uns jetzt. So dachten die Menschen damals, in dieser Zeit der Katastrophe.

Wie sieht es in unserer Zeit mit den Verträgen aus? „Verträge müssen eingehalten werden.“ Wie steht es heute mit dieser alten Regel, die seit der Antike ihre Gültigkeit hat? „Verträge müssen eingehalten werden.“ In unserer Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Dabei wissen wir genau, dass die Welt nur so funktioniert und ein friedliches Zusammenleben zum Wohle aller nur durch Verträge möglich ist. Sicherlich- wenn ich einen Vertrag abschließe, kann ich nicht alle meine Interessen durchsetzen- ob beim Mietvertrag oder beim Arbeitsvertrag. Da sind unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Aber auch wenn ich manche Kröte schlucken muss und mein Vertragspartner auch: Durch den Vertag haben wir geregelt, wie es miteinander funktionieren kann. Wir müssen nicht dauerhaft im Clinch miteinander liegen. Daher halten wir uns in der Regel auch an unsere Verträge, die wir abschließen- Mietverträge, Kaufverträge und andere mehr.

Auch in der großen Politik gibt es weiterhin solche Verträge, die eingehalten werden- Gott sei Dank! Und doch ist da vieles unsicherer geworden. Die Großmächte in Ost und West setzen sich über das Völkerrecht hinweg und fangen Kriege an, die kein Ende nehmen wollen. Statt internationalen Abkommen zählt für sie nur das Recht des Stärkeren. „Wer sich vertragen will, der muss Verträge schließen.“ So hat es der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt, als es um die Ostverträge ging. Heute leben wir in einer anderen Zeit. Statt Abrüstung erleben wir Aufrüstung, und in den Nachrichten hören wir nicht von geplanten Verträgen, sondern von Planungen für den militärischen Bedarf in einem bewaffneten Konflikt. Nichts ist mehr, wie es war. Seit internationale Verträge nicht mehr eingehalten werden, steht die Welt vor einem Trümmerhaufen. Immer mehr Länder liegen in Schutt und Asche, und die Menschen dort müssen um ihr Leben bangen- in der Ukraine, im Iran, im Nahen Osten, im Sudan und vielen weiteren Regionen.

„Du sollst nicht töten.“ So heißt eine wichtige Regel, die Gott uns Menschen in der Bibel in den 10 Geboten gegeben hat. Die 10 Gebote- das ist Gottes Vertrag, Gottes Bund mit uns Menschen. Viele Menschen fragen heute nicht mehr nach Gott, wollen keinen Vertrag mehr mit Gott haben. Wenn uns aber Gottes Gebote nicht mehr interessieren, und jeder nur seinen eigenen Vorteil sucht, dann liegt kein Segen auf unserem Leben. Frieden und Freiheit, Wohlstand und Glück sind dann gefährdet. In solch einer Zeit der Gefährdung leben wir heute. In einer Zeit, in der Verträge gebrochen werden- Verträge zwischen Staaten, und auch der Vertrag zwischen Gott und den Menschen.

Was gibt es für Möglichkeiten, wenn ein Vertrag gebrochen wird? Gibt es da nur die Einbahnstraße der Eskalation? Gibt es da nur die Spirale der Gewalt, die sich mit tödlicher Präzision immer weiter nach oben schraubt? Unser Predigttext zeigt uns hier einen anderen Weg: „Siehe, es kommt die Zeit, da werde ich einen neuen Bund schließen,“ lässt Gott durch den Propheten Jeremia den nach Babylon verschleppten Israeliten ausrichten (Jeremia 31, 31).

Gott geht einen anderen Weg. Gott durchbricht die Spirale der Gewalt. Gott zeigt den Ausweg aus der Einbahnstraße der Eskalation. Die Menschen haben den Vertrag gebrochen. Sie haben sich nicht an den Bund gehalten, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Gottes gute Gebote haben sie missachtet. Wenn ein Vertrag gebrochen wird, dann ist das Vertrauen zerstört zwischen den Vertragspartnern. Enttäuschung, Wut, Resignation sind dann die Gefühle. Gefühle, aus denen selten etwas Gutes kommt. Auch Gott ist enttäuscht von den Menschen, die den Vertrag mit ihm gebrochen haben. Aber Gott resigniert nicht. Nein- Gott macht einen neuen Vertrag mit den Menschen.

Gott lässt seine Menschen nicht allein- nicht die nach Babylon verschleppten Israeliten damals, und auch nicht uns, in unserer heutigen schwierigen Zeit. Gott überlässt uns Menschen nicht einfach unserem Schicksal. Gott wendet sich uns Menschen zu. Gleich viermal heißt es in unserem Predigttext: „Es spricht der HERR.“ Und was Gott da verspricht, das ist etwas Großartiges. Gott verspricht einen Neuanfang. Einen neuen Bund will Gott schließen mit den Menschen. Dieser neue Vertrag, den Gott mit den Menschen schließt, hat eine Besonderheit. Er ist kein Vertrag zwischen gleichen Partnern. Gott allein schließt diesen Bund. Gott verspricht: Er wird treu bleiben, unter allen Umständen. Dazu vergibt er den Menschen alle Schuld und denkt nicht mehr an ihre Sünden. Braucht es dann überhaupt noch Regeln? Ja – Gottes gute Gebote bleiben der Inhalt dieses Bundes. Aber Gott gibt sein Gesetz den Menschen in ihr Herz und schreibt es in ihren Sinn, sagt der Prophet Jeremia. Das heißt: Ein Vertrag, der nicht aus Gehorsam oder gar Angst vor Strafe befolgt wird, sondern der ins Herz geschrieben ist. Wenn Gott diesen Vertrag mit den Menschen ganz umsetzt, dann werden alle Gott kennen, Freund wie Feind. Und keiner wird mehr den anderen über den Willen Gottes belehren. Denn jeder weiß Bescheid.

„Siehe, es kommt die Zeit.“ Diese Ankündigung hat Gott seinem Propheten Jeremia in den Mund gelegt. Es werden Tage kommen, an denen nur Gutes passiert. Wie schön, dass es solche Nachrichten auch gibt. Wir sind gewohnt, von Tagen zu hören, an denen sich vor allem Schlechtes ereignet. Tage, die uns sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen: Wie lange werden die Kriege noch andauern, die die Großen dieser Welt vom Zaun gebrochen haben? Wie lange werden wir in unserem Land noch in Frieden leben können in dieser angespannten weltpolitischen Lage? Wann wird es endlich Friedensverträge geben- Verträge, die eingehalten werden? Wann werden wir unser Geld wieder in Wohlstand statt in Waffen investieren?

Ja, gerade in unserer Zeit brauchen wir die Zuversicht, dass Gott uns im Blick hat. Dass er gute Nachrichten für uns hat. Dass wir zuversichtlich leben können. Denn wir leben im Bund mit Gott. Durch Jesus Christus sind wir in Gottes Bund mit hineingenommen. Er ist für uns gekreuzigt und auferstanden. Ja, Gottes Vertrag mit uns steht. Nichts und niemand kann diesen Vertrag aufheben. In all unsere Lebensgeschichten hinein spricht Gott, was er uns von Anfang an in der Taufe versprochen hat: „Ich vergebe dir alle Schuld, und ich will mich neu mit dir verbünden. Ich will dein Gott sein. Ich bin bei dir alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Darauf können wir uns verlassen, egal was kommt.  

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

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[öffentl. Kirchengemeinderatssitzung] Wehingen, Gemeindesaal

 

Evang. Kirchengemeinde
WehingenTitel: wehingen

Finkenweg 12

78564 Wehingen

 

Tel. 07426/7186

pfarramt.wehingen@elkw.de

 

herzlich laden wir zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Mittwoch, 20.05.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal ein.

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

19:30 Uhr

Begrüßung

Andacht

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 23.04.2026

Top 4 

 

 

 

 

 

 

a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 

Ø   

 

b. Rückblick:  

  • MA-Dank mit anschließendem Mittagessen 26.04.2026  
  • Konfirmation 09.+10.05.2026
  • Godi auf dem Klippeneck 14.05.2026

 

c. Ausblick: 

  • Neuer Konfirmandenjahrgang
  • Gemeindebrief 
  • Pfingstmontag 25.05.2026
  • ökumenische KGR-Sitzung am 09.06.2026 
  • Kirche Kunterbunt
  • Atempause 21.06.2026
  • Gemeindewanderung vom 07.06.auf 28.06.2026 verschieben? Planung Gottesdienst im Grünen vor den Sommerferien an der Skihütte
  • Tischtennis-Turnier im Oktober
  • Gottesdienst am 27.12.: Feiern oder ausfallen lassen?

 

Top 5 

Rückblick und Weiterarbeit am KGR-WE 

  • Visionen und Prioritäten erarbeiten 

 

Top 6 

Ø  KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools

Top 7 

Bauausschuss:   

  •  

 

Top 8 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

  • KGR-Abend am 12.06.2026 in Trossingen
  • Präventionsabende für KGRs im Herbst

 

Top 9 

Sonstiges 

  •  

 

 

Ø  

 

 

 

 

 

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Über den Kirchturm hinaus

13.06.2026 Walk n’ Sing

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Über den Kirchturm hinaus

13.06.2026 Walk n’ Sing

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27.06.2026 Bezirksposaunentag

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Gedanken zum Sonntag

Konfirmation

 

Konfirmationspredigt vom Sonntag, 10. Mai 2026

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. So beginnt der Psalm 23. Und so habt ihr auch auf eurem großen Plakat zu malen begonnen. Als erstes war da der Hirtenstab auf dem Bild. Ein Krummstab ist es geworden. Ob die wirklichen Hirten, die hier auf dem Heuberg ihre Schafe weiden, auch einen solchen Stab haben? Ganz genau weiß ich das nicht, dazu kenne ich mich mit dem Alltag von Hirten zu wenig aus. Bei dem Krummstab, wie ihr ihn gemalt habt, denke ich aber erstmal nicht an die Hirten draußen auf der Weide. Den Krummstab kenne ich von woanders her. Bischof Nikolaus hat so einen, wenn er am 6. Dezember den Kindern Geschenke bringt, ja überhaupt die Bischöfe. Trotzdem ist es ein Hirtenstab. Er erinnert uns daran, dass die Bischöfe, Pfarrerinnen und Pfarrer auch Hirten sind. Und tatsächlich- vor einiger Zeit habe ich mal einen Mann getroffen, den ich nicht kannte, der sagte zu mir: „Ich bin eines Ihrer Schäfchen.“ Da war mir klar: Er gehört zu meiner Kirchengemeinde. Er kennt mich, weil ich seine Pfarrerin bin.

Vom Glauben erzählen und für andere da sein- das ist aber nicht nur etwas für Leute wie mich, die hier im Talar auf der Kanzel stehen und predigen. Alle, die getauft sind und zur Kirche gehören, haben diese Aufgabe. Eine Aufgabe also auch für Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, denn heute sagt Ihr Euer eigenes Ja zu Eurer Taufe. Dieser Gedanke des Priestertums aller Getauften war Martin Luther ganz wichtig und hat unsere evangelische Kirche geprägt. Der Hirtenstab auf Eurem Bild ist allerdings ganz schön mächtig. Gut, dass ich den auch als Pfarrerin nicht alleine schleppen muss. Gut, dass Gott da ist, der unser aller Hirte ist und den Hirtenstab für uns trägt. Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: Auch wenn Ihr im Leben große Aufgaben zu bewältigen habt, auch wenn Euch angesichts solcher großen Aufgaben manchmal Angst und Zweifel kommen, ob ihr dieser Aufgabe gewachsen seid: Vertraut auf Gott. Gottes Versprechen gilt auch Euch: „Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst! (Josua 1,9)

Zu diesem Versprechen von Gott passt auf Eurem Bild die große grüne Wiese und der tiefblaue See- so wie es im Psalm 23 heißt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Ja, Gott sorgt für uns wie ein guter Hirte für seine Schafe sorgt. Wie ein Hirte, der für seine Schafe die saftigsten Wiesen aussucht und das beste, kristallklare Quellwasser. Gott meint es gut mit uns. Er hat ein Herz für uns. Ein Herz voller Liebe. Dafür steht das rote Herz auf Eurem Bild. Es steht für die Barmherzigkeit Gottes. Wir sind Gott nicht egal. Ja, wir sind Gott so wichtig, dass er sein Leben für uns gibt. Am Kreuz ist Jesus Christus für uns gestorben und hat alles weggenommen, was uns von Gott trennt, alle Sünde, alle Schuld. Jesus Christus hat für uns den Weg frei gemacht- den Weg ins Leben, den Weg zu Gott: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,“ sagt Jesus Christus (Johannes 14, 6a).

 Wer auf diesem Glauben sein Leben gründet, der ist ein richtiger Glückspilz. Ein vierblättriges Kleeblatt habt ihr gemalt als Zeichen für dieses Glück: Da muss ich vor keinem Unglück mehr Angst haben. Egal was auch kommt im Leben, Gott ist bei mir. Auf meinem Lebensweg geht Gott wie ein guter Hirte voraus, damit ich mich nicht verirre. Und wenn es mal unübersichtlich oder schwierig werden sollte in meinem Leben, dann weiß ich: Auf Gott kann ich mich voll verlassen- sogar da, wo das Leben dunkel und gefährlich erscheint. Ich bin nicht allein. Gott, der gute Hirte weiß, wo es langgeht.

„Der Herr ist mein Hirte.“ Unter dieser Überschrift kennen wir den Psalm 23. Und so ist es auch auf Eurem Bild der Hirtenstab, der alles andere überragt. Aber ganz viel Anderes habt ihr auch gemalt: Ein gedeckter Tisch ist da, mit vielen liebevollen Details. Eure Lieblingsessen stehen da auf diesem gedeckten Tisch- leckere Wassermelonenschnitze zum Beispiel. Dazu habt ihr erklärt: „Mir soll es an nichts mangeln, und der Herr schenkt mir voll ein.“ Voll eingeschenkt bis zum Rand ist auch der große Becher, den ihr unten rechts auf Euer Bild gemalt habt. Und was Ihr auch noch dazu erklärt habt: „Der Tisch ist im Angesicht meiner Feinde gedeckt.“

Wenn ich auf Gott vertraue und mein Leben ganz in seine Hand lege, dann kann ich ganz in Ruhe feiern und das Leben genießen, trotz aller Gefahren, die in der Welt auf mich lauern. Auch wenn es da Menschen gibt, die mir Böses wollen, die mich ärgern und mobben. Auch wenn der Frieden in unserem Land zerbrechlich ist und viel Feindschaft da ist zwischen Menschen und Völkern. Das alles ist Grund zur Sorge und zu entschiedenem Handeln. Denn als Christen haben wir die Aufgabe, uns für Frieden und Verständigung einzusetzen zwischen den Menschen und den Völkern. Aber wenn ich auf Gott vertraue und alles, was in meinen Möglichkeiten steht, tue für ein friedliches Zusammenleben, dann müssen mir diese Sorgen nicht nachts den Schlaf rauben. Ja, auch nach einem schwierigen Tag kann ich nach nachts ruhig schlafen, wenn ich abends meine Sorgen im Gebet bei Gott abgebe- so wie es in Psalm 31, 15-17 heißt: „Ich aber vertraute auf dich, HERR: Ich bekannte: Du bist mein Gott! Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Rette mich aus der Gewalt meiner Feinde und lass mich meinen Verfolgern entkommen! Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht. Hilf mir und lass mich so deine Güte erfahren.“ 

Und was dann noch auf Eurem Bild kommt, das ist die Krönung von allem. Da habt Ihr Euch gemalt, wie Ihr an diesem reich gedeckten Tisch mit all den leckeren Sachen sitzt, und eine Krone aufhabt: „Der Mensch am Tisch trägt eine Krone, weil er wie ein König behandelt wird, wenn sein Haupt gesalbt wird.“ Dafür steht auch der Krug mit Öl auf dem Bild: Duftendes Salböl ist darin, mit dem der Kopf eingecremt wird- nur vom Feinsten, das Teuerste und Beste ist gerade gut genug. Ja, für Gott seid Ihr alle unendlich viel wert, wie Könige werdet Ihr behandelt. Heute, an Eurem großen Festtag könnt Ihr das spüren: Beim Einzug in die Kirche ist die Gemeinde für Euch aufgestanden, statt rotem Teppich haben wir eine rote Kniebank, und wenn Ihr darauf niederkniet, bekommt Ihr zwar kein Salböl auf den Kopf, aber die Hand aufgelegt zum Segen.

Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Heute an diesem wunderschönen Festtag ist dies für uns alle spürbar, und für Euch, die Hauptpersonen, ganz besonders. Aber auch an all den anderen Tagen, die kommen, soll das spürbar bleiben: Wie ein guter Hirte mit seinem Hirtenstab für die Schafe sorgt, so sorgt Gott für mich. Es ist etwas, woran ihr euch festhalten könnt: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir. Egal, was noch kommt im Leben, Gott verlässt mich nicht. Das wünsche ich Euch, dass Ihr das immer wieder erfahren dürft in Eurem Leben: Gott ist bei Euch, Gott begleitet Euch durchs Leben.

Eure Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer